Keynote
Agentic AI: How AI Agents Transformed My Work as a Software Engineer and CEO
Dr. Simon Harrer, Co-Founder & CEO @ Entropy Data · 11. März 2026
In dieser Keynote erzähle ich, wie KI-Agenten -- konkret agentische Coding-Tools wie Claude Code -- grundlegend verändert haben, wie ich arbeite, sowohl als Software Engineer als auch als CEO. Vom Schreiben von null Zeilen Code bis zu Agenten, die über Nacht arbeiten: Dieser Talk behandelt die praktische Realität der Arbeit mit KI-Agenten im Jahr 2026 und warum die größte Chance nicht im Coding liegt, sondern darin, Agenten mit Unternehmensdaten zu verbinden.
Danke an Software Architecture Summit für die Gelegenheit, Jochen Christ für die Hilfe beim Ausarbeiten des Talks, Robert Glaser für die Inspiration zu den Slides und Arif Wider für das Aufnahme-Setup.
Q&A
Ausgewählte Fragen aus dem Publikum nach dem Talk.
F: Bauen KI-Anbieter wie Anthropic oder OpenAI den Governance-Layer nicht einfach selbst? Oder die großen Cloud-Anbieter?
Was ich sehe, ist, dass es die Datenplattform-Anbieter sind -- Databricks, Snowflake, Google -- die diese Layer bauen. Die KI-Firmen wie Anthropic und OpenAI konzentrieren sich eher auf den oberen Layer: wie man Agenten verwaltet und orchestriert, wie man ihnen eine gute Laufzeitumgebung bereitstellt. Das Problem sind die Unternehmensdaten darunter. Daten, die in On-Premise-Systemen, hinter REST-APIs, in Legacy-Formaten wie EDIFACT liegen. Wie integrierst du das alles? Das ist ein Architekturproblem. Und wenn du das alles von einem einzigen Anbieter bauen lässt, erzeugst du einen der größten Lock-ins, die man sich vorstellen kann. Da kommst du nie wieder raus.
F: Was ist mit Nearshoring und Offshoring? Macht KI große Offshore-Teams überflüssig?
Ich glaube, Nearshoring wird sich deutlich reduzieren. Jemand erwähnte, er habe 30 Leute in einem Offshore-Team. Ich denke, zwei Menschen mit einer klaren Produktvision können das schaffen, wofür diese großen Teams früher nötig waren. Wenn sie keine Sprachbarriere, keine kulturelle Barriere und eine starke Produktvision haben -- das könnte sogar besser sein. Natürlich, wenn jemand offshore diese Produktvision ebenfalls hat, willst du diese Person weiterhin. Du brauchst nur nicht mehr das große Team drumherum. Es kommt auf die Produktvision an, nicht auf den Headcount.
F: Wenn Juniors nie von Hand programmiert haben, wie können sie KI-generierten Code sinnvoll reviewen?
Das ist eine großartige Frage. Aber hier meine Gegenfrage: Warum muss ein Mensch das Reviewen übernehmen? Jemand, der wirklich KI-nativ ist, muss nicht von Hand programmieren, um ein großartiges Produkt zu bauen. Er muss nur wissen, dass er etwas Großartiges bauen will. Er könnte die KI Features generieren lassen und dann fünf andere KIs den Output reviewen lassen -- jede mit ihrem eigenen Review-Fokus: Architektur, Sicherheit, UX, Performance, Korrektheit. Die Annahme, dass "ein Mensch reviewen muss", ist tief in uns verankert, weil wir es so lange getan haben. KI-native Juniors kommen mit einem komplett anderen Mindset. Ob Universitäten noch die Implementierung von Quicksort lehren sollten oder sich eher auf Produktmanagement konzentrieren -- das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber ich glaube, die Fähigkeiten, auf die es ankommt, verschieben sich.
F: Was ist mit Qualitätsattributen wie Wartbarkeit, Performance und Sicherheit? Sind die nicht mehr relevant?
Nein, Qualitätsziele bleiben wichtig -- aber die Trade-offs verschieben sich. Nimm die Wartbarkeit: Das neue Modell könnte "Design for Replaceability" sein. Die KI kann sich eine Komponente anschauen, verstehen, wie sie funktioniert, sie wegwerfen und mit zwei Änderungen neu bauen. Dann deployst du die neue Version. Das ist ein grundlegend anderer Ansatz für Wartung. Wir müssen unsere Qualitätsmodelle komplett neu denken. Und für regulierte Branchen -- Industrieautomatisierung, sicherheitskritische Systeme, Zugsteuerung -- könnte die Antwort das sein, was Amazon gerade angekündigt hat: KI-generierter Code muss von zwei Menschen reviewt werden, die ihn freigeben. Wir werden lernen müssen, was diese Tools für kritische Systeme bedeuten. Qualität ist nicht irrelevant, aber unsere Trade-offs sind jetzt andere. Manchmal akzeptieren wir niedrigere Qualität dafür, dass die Software überhaupt existiert.
F: Was ist mit Datensouveränität und der Abhängigkeit von US-amerikanischen KI-Anbietern?
Ich habe dieses Thema bewusst aus dem Talk herausgelassen. Ich wünschte, wir hätten Alternativen. Ich persönlich sehe gerade keine tragfähige Alternative. Ich nutze Anthropic, weil es schlicht das beste Tool für meinen Business-Case ist. Wie das endet, weiß ich nicht. Du kannst mich dafür kritisieren, dass ich hier nicht die unternehmerische Verantwortung priorisiere. Aber gerade versuche ich, unter den aktuellen Bedingungen ein Unternehmen aufzubauen. Das sind wichtige Punkte, aber auch politische Fragen, die ich schlicht nicht allein lösen kann.